Auch heuer finden wieder die Bayreuther Gespräche statt. Zum 21. Mal seit 2005 befasst sich die Dialogreihe mit den gesellschaftlichen Themen der Erinnerungskultur ausgehend von der pädagogischen Arbeit im Leuschner-Zentrum und der Städtischen Leuschner-Gedenkstätte.
Diesmal steht im Zentrum der Erinnerungsarbeit der Leuschner-Stiftung die Verbindung zwischen den Bayreuther Festspielen und der Arbeiterbewegung. Es wird ausgehend von den Kulturvereinen der frühen Arbeiterbewegung ab 1890, dabei auch die musikalische Entwicklung Leuschners in seinen Jugendjahren in der Bayreuther Gewerkschaft und den Kulturvereinen der Arbeiterinnen und Arbeiter. Ein spannendes Kapitel ist dabei auch die Erneuerung und Entstehung der Bayreuther Festspiele ab 1951. Die Rolle der bayerischen Gewerkschaften bei deren politischen Durchsetzung und Finanzierung wird mit Originalquellen belegt. Die Kunsthistorikerin Ursula Leibinger-Hasibether wird besondere Beispiele der eigenen Erlebnisse in der publizistischen Begleitung der Festspiele zum Vortrag bringen. Eine kleine Erinnerungsschrift zum Thema wird mit Bildern vorgestellt und mit dem Direktor des Richard-Wagner-Museums wird im Dialog über Wagners Musik und das Verhältnis zur deutschen Arbeiterbewegung ein Gedankenaustausch stattfinden.
Seit 2005 führt die Leuschner-Stiftung jeweils zum Todestag Leuschners (er wurde am 29.9.1944 in Berlin-Plötzensee von den Nazis ermordet) die Bayreuther Gespräche durch. In diesem Jahr 2026 wurde anlässlich des 150ten Festivaljahres der Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele von der Stiftung ein weithin unbekanntes Kapitel der Festspielgeschichte in den Mittelpunkt der Gespräche gestellt: Richard Wagner und die Arbeiterschaft. Die Einführung übernahm Wolfgang Hasibether mit einem historischen Exkurs zu Wagners Aktivitäten im Dresdner Aufstand der demokratischen Revolution von 1848/49 und seinem frühen Engagement für die Bürgerrechte und Kunstfreiheit. In den frühen Schriften ‚Die Kunst und die Revolution‘ und die Revolution von 1848/49 in Dresden und Zürich entstanden. Wagner stellt darin die These auf, dass eine „neue, wahre Kunst“ (Das Kunstwerk der Zukunft) nur dann entstehen kann, wenn zuvor „alles Alte“ zerstört wird, und zwar durch eine Revolution. Zu dieser radikalen Auffassung kam er, nachdem er unter dem Einfluss von Michail Bakunin, Gottfried Semper und August Röckel sich in Dresden den Zielen der Republikaner angeschlossen hatte und die Chance sah, durch eine grundlegende Veränderung der politischen und sozialen Verhältnisse auch die Theater verändern zu können. Er strebte danach, die Theater von den allzu seichten Unterhaltungsdarbietungen hin zu einer anspruchsvolleren und ernsthafteren Kunst zu bewegen.
Mit den Forderungen der Arbeiterschaft nach konkreten Änderungen in den Eigentums- und Arbeitsverhältnissen setzte sich Wagner jedoch nicht direkt auseinander. 1850 erschien sein Pamphlet ‚Das Judenthum in der Musik‘, in dem er die deutsche Kunst und die Unfähigkeit von Juden diese zu schaffen beschwor. Ein antisemitisches Machwerk mit dem er im deutschen Bürgertum Zuspruch fand. Die Nationalsozialisten und sein Schwiegersohn Chamberlain verbreiteten diesen Antisemitismus mit seinen rassistischen Inhalten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Schon aus diesem Grund fand Wagner in der aufstrebenden Arbeiterbewegung wenig Anerkennung. In den Arbeitersängervereinen wurden jedoch auch Chöre aus den ‚Meistersingern‘ von Wagner aufgeführt. Die Kulturvereine und Volksbühnenbewegung in den 1920er Jahren praktizierten auch Werke aus der bürgerlichen Hochkultur.
Insbesondere die Volksbühnenbewegung bemühte sich kostengünstigen Zugang zu Musik- und Theaterveranstaltungen zu vermitteln. Diese wurde von den Nationalsozialisten 1933 zerschlagen. Nach 1945 wurden diese Vereine wieder belebt und führten auch zur Neuentstehung der Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth. Die Kunsthistorikerin Ursula Leibinger-Hasibether schilderte anschaulich welche Rolle die bayerischen Gewerkschaften ab 1948 zur Entstehung der Festspiele beitrugen.
In der anschließenden Diskussion mit Dr. Sven Friedrich vom Richard-Wagner-Museum Bayreuth wurde dieser Aspekt der Festspielgeschichte, der unter dem Namen ‚Gewerkschaftsvorstellungen‘ immerhin von 1951 bis 2011 sechzig Jahre die Festspiele mitprägte, erörtert. Kostengünstige Vorstellungen für die Arbeitnehmerschaft wurden vom DGB Bayern mit organisiert.
Im Rahmen des Festivals 150 wird hierzu in den nächsten Wochen eine Veröffentlichung zum Thema von der Stiftung vorgelegt.
Ausstellung zur Biographie Wilhelm Leuschner im Gymnasium Christian Ernestinum eröffnet
Die im September 2025 der Öffentlichkeit in der Beruflichen Oberschule Bayreuth vorgestellte Ausstellung zur Biographie von Wilhelm Leuschner ist im März 2026 von dort an das GCE Bayreuth weitergegeben worden. Die von der Oberfrankenstiftung geförderte Ausstellung unter Schirmherrschaft von Regierungspräsident Florian Luderschmid war von der Leuschner-Stiftung mit Hilfe von Dokumenten, Bildern und Archivalien aus dem Leuschner-Nachlass erarbeitet worden und anlasslich der 20. Bayreuther Gespräche am 29.9.2025 in der BOS für vier Monate Unterrichtsmaterial zum Thema ‚Widerstand gegen die NS-Diktatur‘.
Am 27. April wurde ein Projekttag mit dem Leistungskurs Geschichte (12. Jahrgangsklasse) unter Moderation von Wolfgang und Ursula Hasibether von der Leuschner-Stiftung mit dem Geschichtslehrer Dr. Jan Ehlenberger durchgeführt. In der zweistündigen Diskussion, die Schulleiter OStDir. Franz Eisentraut mit einer Begrüßung eröffnete, wurden Fragen von Mut und Scheitern im Leben von Wilhelm Leuschner auch in Bezug zur heutigen Zeit erörtert.
In den kommenden Monaten bis zum Schuljahresende haben die Schulklassen im GCE die Möglichkeit die Ausstellungsinhalte in ihrem Unterricht zu vertiefen. Der Besuch der Leuschner-Gedenkstätte in Moritzhöfen ist ebenfalls Teil der Vermittlung der Ausstellung.
Im Leuschner-Zentrum werden in den nächsten Wochen dazu Projekttage mit Besuch der Gedenkstätte stattfinden. Auch von anderen Schulen aller Schularten ist der Besuch der Ausstellung beziehungsweise deren Ausleihe von der Leuschner-Stiftung möglich.
Die 20. Bayreuther Gespräche am 29.9.25 waren der Auftakt für die 14 Ausstellungsstationen auf Rollups zum Leben und Wirken von Wilhelm Leuschner.
Mit Ausstellungsgesprächen, Referaten im Geschichtsunterricht und Besuchen in der städtischen Leuschner-Gedenkstätte und Erstellung von zusätzlichem Ausstellungsmaterial für die Klassenräume bot die Ausstellung das Lehrmaterial für die Beschäftigung mit dem Deutschen Widerstand gegen das NS-Regime. Neben den Rollups war das Begleitheft zur Ausstellung unterstützendes Lernmittel.

Schautafel für den Unterricht zur Leuschner-Ausstellung (Elena Bölke 12. Klasse FOS
Am 81. Todestag von Wilhelm Leuschner wurde ein Ausstellungsprojekt zu seinem Leben und Wirken durch die Wilhelm-Leuschner-Stiftung erfolgreich bei den 20. Bayreuther Gesprächen am 29.9.2025 in der Beruflichen Oberschule Bayreuth der Öffentlichkeit vorgestellt. Über fünfzig Teilnehmende besuchten die Ausstellungseröffnung, bei der die Bearbeiter der Ausstellung Wolfgang Hasibether (Materialrecherche und Texte) und Christian Bölke (Layout und Grafik) die Ausstellung erläuterten.
Auf vierzehn Rollups werden Bilder und Dokumente aus dem Leuschner-Nachlass im Archiv der Stiftung vorgestellt, die die Lebensstationen des bedeutenden Widerstandskämpfers gegen die Nazis beleuchten. Der erste Abschnitt zeigt seine Kindheit und Jugend in Bayreuth mit ihren Schul- und Ausbildungsjahren und der Wanderschaft als Holzbildhauer in den Jahren 1908 bis 1910, die ihn immer wieder in seine Heimatstadt zurückführte. Von Mitte 1910 bis 1933 wird sein Aufstieg in Darmstadt vom Kunsthandwerker zum bedeutenden Politiker der Weimarer Republik gezeigt. Dieser zweite Abschnitt zeigt auch sein Wirken als hessischer Innenminister und seinen Kampf gegen den Aufstieg des Nationalsozialismus. In dem dritten Abschnitt wird dann sein Widerstand im sogenannten ‚Dritten Reich’ ab 1933 in Berlin, beginnend mit seiner Haftzeit in den Konzentrationslagern der Nazis bis zum Juni 1934 gezeigt. Die letzten zehn Jahre seines Lebens werden dokumentiert durch Bilder über sein reichsweites Widerstandsnetz und den Versuch eine Einheitsgewerkschaft zu organisieren. Auf dem letzten Rollup wird sein Vermächtnis als Vater der Einheitsgewerkschaft dargestellt.
Die Ausstellung wurde eröffnet durch die Begrüßung des Schulleiters, Oberstudiendirektor Timo Eckert, der die Bedeutung von analogen Lehrmitteln im Zeitalter von socialmedia hervorhob.
Oberbürgermeister Thomas Ebersberger verwies auf die über zwanzigjährige Arbeit der Leuschner-Stiftung in der Vermittlung von demokratischen Werten durch deren Gedenkstättenarbeit seit 2002.
Schirmherr der Ausstellung, Regierungspräsident Florian Luderschmid, betonte die Wichtigkeit der Erinnerungsarbeit als Grundlage für die demokratische Erziehung der Jugend. Er dankte der Stiftung für Ihre langjährige Arbeit und wünschte der Ausstellung viel Erfolg in der pädagogischen Arbeit.
Stiftungsratsvorsitzender Wolfgang Hasibether erläuterte die über viermonatige Arbeit vom Juni bis September 2025 zur Erstellung der 14 Rollups, für die ausschließlich Material aus dem Leuschner-Nachlass im Archiv der Stiftung verwendet wurde. Die Ausstellung wird bis Ende des Jahres in der Beruflichen Oberschule Bayreuth für den Unterricht verwendet und dann Anfang 2026 an das Gymnasium Christian-Ernestinum in Bayreuth weitergegeben. Ein Begleitheft zur Ausstellung steht als Unterrichtsmaterial über Leben und Wirken Leuschners ebenfalls zur Verfügung.
Auf der Website der Stiftung kann die erste Fassung der Ausstellung von 2015 recherchiert werden. Die neue Ausstellung kann unter

Regierungspräsident Luderschmid bei der Eröffnung
Der DGB-Kreisverband Bayreuth und die Wilhelm-Leuschner-Stiftung luden zum zweiten Teil der ‚20. Bayreuther Gespräche‘ am 30. September 2025 ein.
„Täter, Helfer, Trittbrettfahrer“ – NS-Belastete aus Oberfranken
Die Buchvorstellung mit Herausgeber Dr. Wolfgang Proske und Vortrag von Prof. Jörg Becker mit Diskussion im Rahmen der „Bayreuther Gespräche“ erhielt am Dienstag, 30. September um 18 Uhr im Leuschner-Zentrum, Herderstraße 29, in Bayreuth mit über sechzig Teilnehmenden eine große Resonanz.
Seit 2010 existiert die Buchreihe „Täter, Helfer, Trittbrettfahrer“, die seit 2014 im Kugelberg Verlag erscheint. Nun erschien mit dem 20. der letzte Band „NS-Belastete aus Oberfranken“, in dem 18 Autorinnen und Autoren über 24 einschlägige Fälle berichten. Nach 470 Artikeln von 247 Autorinnen und Autoren über die regionale NS-Täterforschung kommt Herausgeber Dr. Wolfgang Proske zu dem Schluss: „Die NS-Geschichte muss nicht neu geschrieben, aber im Detail erweitert und nachjustiert werden.“
Der Band bespricht (in alphabetischer Reihenfolge) oberfränkische NS-Belastete, die mit Bamberg, Bayreuth, Burgkunstadt, Coburg, Ebermannstadt, Gräfenberg, Heiligenstadt, Helmbrechts, Hof, Kirchenlamitz, Kulmbach, Marktschorgast, Naila und Zeyern verbunden waren. Ihre Wirkungsorte lagen oft außerhalb: in München oder Berlin etwa, aber auch in Sobibor. Der Band ist mit einem Geleitwort versehen, das Wolfgang Hoderlein, der frühere Landtagsabgeordnete und Landesvorsitzende der SPD, beigesteuert hat. Einen Artikel dazu beigetragen hat Jörg Becker, Gewerkschafter, Politikwissenschaftler und Publizist aus Solingen. Er hielt an diesem Abend einen packenden Festvortrag und fragte: „Stehen wir politisch am gleichen Punkt wie 1933?“ Dabei beleuchtete er die sozialen und wirtschaftlichen Parallelen bzw. Unterschiede zwischen dem Erstarken des Rechtsextremismus im 20. Jahrhundert und heute. Darüber wurde im Anschluss in der Diskussion ein Meinungsaustausch geführt. Der Vortrag steht hier zum Download bereit:
Mit diesem Abend endeten die „Bayreuther Gespräche“ 2025. Diese organisiert bereits seit 20 Jahren immer um den Todestag Wilhelm Leuschners herum die gleichnamige Stiftung um ihren Vorsitzenden Wolfgang Hasibether. Leuschner kam 1890 in Bayreuth zur Welt und wurde am 29. September 1944 von den Nazis ermordet. Der Gewerkschafter und Sozialdemokrat hatte den zivilen Kreis zur Unterstützung der Hitler-Attentäter um Stauffenberg organisiert. Das Attentat am 20. Juli 1944 schlug fehl, der Diktator überlebte. Leuschner war im NS-Regime der Kopf der Untergrund-Gewerkschaft und wäre für den Fall eines geglückten Umsturzes als Vizekanzler vorgesehen gewesen. Stattdessen wurde er verhaftet und gehängt. Die Leuschner-Stiftung und die Bayreuther gewerkschaftlich Aktiven bewahren ihm ein ehrendes und lebendiges Gedenken.















