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17 | 12 | 2018
3. Bayreuther Gespräche Drucken E-Mail

Dritte Bayreuther Gespräche zur Idee Europas im Widerstand gegen den Nationalsozialismus


Bei den ‚3. Bayreuther Gesprächen’ am Samstag, 29. September und Sonntag, 30. September 2007 beteiligten sich an den vier Veranstaltungen rd. 150 Teilnehmer/innen und beschäftigten sich mit der Erinnerung an den Widerstand in Deutschland und Europa und dessen Bedeutung für die heutige Europapolitik des in Ost und West zusammenwachsenden Staatenbund.
Den Auftakt machte Regierungspräsident Wilhelm Wenning als Schirmherr der zweitägigen Veranstaltung. In seinen Ausführungen betonte er die Wichtigkeit der Thematik der diesjährigen Tagung für das Erinnern und die Aussöhnung zwischen den Völkern Europas. Er betonte, dass er sehr gerne die Schirmherrschaft übernommen habe, da die positive Resonanz der Arbeit in der Gedenkstätte von überregionaler Bedeutung sei. Bei seinen Ausführungen zu den verbindenden Elementen zwischen dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus und der Idee Europas mit ihren Grundwerten von Frieden, Freiheit und Menschenrechten bekräftigte er diese Einheit aus den Wertvorstellungen der verschiedenen Widerstandsgruppen für Freiheit und Gerechtigkeit nach Hitler einzutreten und dem Fundament der Europäischen Union, das genau auf den Grundwerten von Frieden, Freiheit und Menschenrechten gegründet sei wie die Wertvorstellungen der verschiedenen Widerstandsgruppen. Mit seinen Ausführungen geleitete er in vorbildlicher Weise in das Tagungsthema.
Das Grußwort der Stadt Bayreuth überbrachte Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl, der seine Verbundenheit mit der Stiftungsarbeit an diesem Lernort der Geschichte bekräftigte und darauf hinwies, dass, wie jüngst bei einem Interview zur Festspielzeit, die überregionale Presse immer wieder die Frage stelle, wie sich die Stadt Bayreuth ihrer braunen Vergangenheit im Hinblick auf die Festspielgeschichte stelle. Für ihn seien die Bayreuther Gespräche eine unverzichtbare Veranstaltungsreihe, die genau beweise, wie in der Stadt das Erinnern an die Vergangenheit betrieben werde, und das dies auch nicht aufhören dürfe. Der historische Lernort Wilhelm-Leuschner-Gedenkstätte sein ein unverzichtbarer Teil dessen, wie die Stadt Bayreuth ihrer Verantwortung gerecht werde, sich an die Vergangenheit zu erinnern und daraus Lehre für die Zukunft zu ziehen.

Referate und Diskussionen zum Tagungsthema
Anstelle des ehemaligen tschechischen Botschafters kam der frühere Leiter des Tschechischen Zentrums in München, Herr Dr. Jan Sicha, der jetzt im tschechischen Außenministerium in Prag arbeitet. Sein interessanter Vortrag wurde per Video aufgezeichnet und wird von uns demnächst dokumentiert. Es beleuchtete den Unterschied des tschechischen und polnischen Widerstands und den Unterschied des Widerstands in einem von den Nazis besetzten Land und dem deutschen Widerstand. Dieser unterschiedliche Stellenwert hat auch seine Auswirkungen auf das Zusammenwachsen in einem einigen Europa und die Aussöhnung zwischen Deutschland und den östlichen Staaten. Umso wichtiger ist die Begegnung zwischen jungen Menschen aus den bisherigen EU-Staaten und den neuen Ländern im Osten der EU.
Im Anschluss an den Vortrag und die Diskussion von Dr. Sicha wurde ein langjähriges Projekt deutsch-polnischer Verständigung mit dem ‚Stauffenberg-Oratorium’ von Claudia Lorenz und Diether Lorenz vorgestellt. Ein Bühnendrama ‚Stauffenberg und die Tragödie des 20. Juli 1944’ stand mit seiner Uraufführung in Berlin 2004 am Ausgangspunkt des Projekts. Dieses Drama wurde in Bayreuth im Juli 2004 in einer Lesung in der Leuschner-Gedenkstätte zum ersten Mal vorgestellt. In der Folge entstand eine Musikkomposition zum Stück, das seine Vollendung in dem ‚Stauffenberg-Oratorium’ im Jahr 2006 fand. Der Komponist Dietrich Lorenz aus München vertonte zu den neuen Texten von David Stern (Autor des Stauffenberg-Dramas) dieses Oratorium. Mit den Warschauer Philharmonikern wurde ein Orchester zur Uraufführung in Polen gefunden. Aufgrund der aktuellen politischen Entwicklungen im deutsch-polnischen Verhältnis wurden die Proben der Warschauer Musiker mangels finanzieller Unterstützung vor kurzem unterbrochen. Der Weg zur Uraufführung wird dadurch länger als erhofft, aber die Projektgruppe auf deutscher Seite lässt nicht locker und wir hoffen im nächsten Jahr über den Erfolg des Projekts bei den vierten Bayreuther Gesprächen am 28. und 29. September 2008 berichten zu können.
Der Komponist Dietrich Lorenz stellte im Anschluss an die Vorträge am Samstagabend Musik des Widerstands vor und Kompositionsskizzen aus dem Oratorium.
Am Sonntagvormittag wurde das deutsch-tschechische Projekt des Gedenkens an den Todesmarsch der Frauen aus dem KZ Flossenbürg nach Volary vorgestellt. Die tschechischen Teilnehmer/innen Jaroslava Kreysová und Zdenek Krejsa berichteten über die Gedenkstätte in Volary und die jahrzehntelangen Bemühungen diesen Todesmarsch in Tschechien in Erinnerung zu bringen. Die Mitinitiatorin Luise Gutmann der Erinnerungsfahrt nach Volary stelle die Erfahrungen der Fahrt von der Gedenkstätte ‚Schwarzer Gang’ in Oberfranken vor und bezeichnete die Bekanntschaft mit Frau Krysova und ihre Veröffentlichung der tschechischen Erinnerungen an die ermordete Frauen als wichtigstes Ergebnis Ihrer Erinnerungsfahrt.
Es wird im nächsten Jahr eine Veranstaltung zwischen Bayreuth und Volary mit der Deutsch-Tschechischen Gesellschaft geben, die Schulen aus der Region einbeziehen will. Dies war eine wichtige Vermittlungsarbeit unserer Stiftung.
Eindrucksvoll die Rede von Edzard Reuter und die Übergabe des Schachspiels für die Gedenkstätte. Im vierten Raum über die Zeit des Widerstands ist dies ein wichtiges neues Ausstellungsstück. Im nächsten Jahr werden wir die Bayreuther Gespräche mit polnischen, französischen und tschechischen Teilnehmern führen. Eine Dokumentation zu den bisherigen Bayreuther Gesprächen wird im nächsten Jahr vorbereitet.


Eindrucksvoll die Rede von Edzard Reuter und die Übergabe des Schachspiels für die Gedenkstätte. Im vierten Raum über die Zeit des Widerstands ist dies ein wichtiges neues Ausstellungsstück. Im nächsten Jahr werden wir die Bayreuther Gespräche mit polnischen, französischen und tschechischen Teilnehmern führen. Eine Dokumentation zu den bisherigen Bayreuther Gesprächen wird im nächsten Jahr vorbereitet.
Rede von Edzard Reuter, ehem. Vorstandsvorsitzender Daimler Benz AG, bei den ‚3. Bayreuther Gesprächen' in der Leuschner-Gedenkstätte Bayreuth am Sonntag, den 30. September 2007
Edzard Reuter bedankte sich für die Einladung und sprach seine Anerkennung aus für das Aufgreifen der europäischen Dimension der Bayreuther Gespräche, in die der deutsche Widerstand ohne Zweifel einzuordnen ist.
Gedanken zum Widerstand sind bereits ausführlich ausgetauscht worden, deshalb sollen in seinen Ausführungen die beiden Persönlichkeiten und ihre Beziehung zueinander im Vordergrund stehen: Ihr Lebensweg kreuzt sich Anfang 1934 im KZ Lichtenburg, wo sie mit anderen eine Zelle teilen mussten. Dabei konnten Ernst Reuter, geboren 1889, und Wilhelm Leuschner, geboren 1890, fast gleichaltrig und schon vor 1933 dem Widerstand gegen den Nazismus verpflichtet, viele gemeinsame Überzeugungen feststellen. Als überzeugte Demokraten (Reuter hatte aus eigener kommunistischer Vergangenheit gelernt) entwickeln sie in der Internierung tiefes Vertrauen zueinander.
Es ist anzunehmen, dass mit dem gemeinsamen Schachspiel eine enge persönliche Bindung einherging. Dies erschließt sich dem in der türkischen Emigration heranwachsenden Sohn Reuters aus folgenden Erinnerungen: - Teilhabe an Sorge und Angst der Eltern um Nazi-Gegner in Deutschland - Gespräche über diese Persönlichkeiten schließen immer wieder Wilhelm Leuschner ein und kennzeichnen ihn als einen nah am Volk und der Arbeiterschaft stehenden Mann. Erst sehr viel später erfährt Reuters Sohn von der gemeinsamen Inhaftierung mit Leuschner auf der Lichtenburg, einem Renaissanceschloss zwischen Torgau und Wittenberg. In der DDR-Zeit gab es dort eine rudimentäre Gedenkstätte. Sie ist inzwischen sukzessive erneuert worden.

2003 Anruf von Leuschners Enkeltochter über Auffinden des Schachfiguren = Kästchens mit Vermerk: Eigentum von Herr Ernst Reuter. W. Leuschner hat dies, als er im Juni 1934 zuerst aus der Haft entlassen wurde, bestimmt auf Wunsch von Reuter mitgenommen. Über einen Mittelsmann gelangen die Schachfiguren in die Hände von Edzard Reuter. So kann er am 30. September 2007 der Wilhelm-Leuschner-Stiftung das Schachspiel als Leihgabe zur Verfügung stellen. Es kann kein Zweifel bestehen, dass das Schachspiel in der Ausstellung die in der gemeinsamen Haft entstandene Seelenverwandtschaft der bei den Persönlichkeiten im deutschen Widerstand dokumentiert. Das Drama der deutschen Geschichte ist mit beiden verknüpft: W. Leuschner ist zum Opfer der Barbarei geworden. Ernst Reuter konnte dem Opfer entgehen, um nach dem 2.Weltkrieg vorzuleben, dass das deutsche Volk zur Demokratie und Freiheit geboren und geeignet ist. Während Reuter im Berlin der Nachkriegszeit, die Geburt der neuen deutschen Demokratie mit gestalten konnte, blieb Leuschner diese Vollendung versagt. Am 29. September 1953 erlag Ernst Reuter einem Herzinfarkt. Er starb auf den Tag genau neun Jahre später als Wilhelm Leuschner, den die Nazis am 29. September 1944 hingerichtet haben.

 
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