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23 | 11 | 2014
Willkommen auf den Internetseiten der Wilhelm-Leuschner-Stiftung PDF Drucken E-Mail

Bayreuth ist die Geburtsstadt des Gewerkschafters, Politikers und antifaschistischen Widerstandskämpfers Wilhelm Leuschner, der hier am 15. Juni 1890 geboren wurde. Sein Geburtshaus in Moritzhöfen 25 ist seit September 2003 eine Gedenkstätte zur Erinnerung an sein Wirken. Zugleich ist es ein historischer Lernort für die nachwachsenden Generationen.    

Im Sinne des nachfolgenden Zitats aus der Aufgabenstellung der Bayerischen Gedenkstättenstiftung erfüllt die Stiftung ihr bürgerschaftliches Engagement:

 "Die Erinnerung an die nationalsozialistische Unrechtsherrschaft wach zu halten und die geschichtlichen Erfahrungen und die daraus gewonnenen Erkenntnisse weiter zu tragen, ist nicht alleine Aufgabe des Staates, sondern ihrem Wesen nach eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie kann nur erfolgreich sein, wenn sie von den maßgebenden Kräften der Gesellschaft mitgetragen wird, und muss diejenigen einbeziehen, die der Gedenkstättenarbeit in besonderer Weise verbunden sind."

Seit 1993 war der Bayreuther Verein für Sozial- und Kulturgeschichte e.V. um den Erhalt des Geburtshauses Wilhelm Leuschners bemüht. Nachdem es von der Stadt Bayreuth unter Denkmalschutz gestellt wurde und der im Jahr 2000 von den damaligen Eigentümern beantragte Abriss des Geburtshauses verhindert werden konnte, wurde  2003, nach der Hausrenovierung durch die neuen privaten Eigentümer, eine Gedenk- und Bildungsstätte in Kooperation zwischen der Stadt Bayreuth und der Wilhelm-Leuschner-Stiftung eingerichtet. 
 

Auf unseren Web-Seiten können Sie sich über Wilhelm Leuschner, seinen von uns wissenschaftlich betreuten Nachlass sowie über unsere Gedenkstättenarbeit informieren. Unter dem Menüpunkt "Kontakt" können Sie mit uns Verbindung aufnehmen. Für Vorschläge zur Verbesserung unseres Internetangebots wären wir sehr dankbar.
 
Sanierung des Wilhelm Leuschner-Zentrums nach zwei Jahren abgeschlossen PDF Drucken E-Mail

Seit dem Einzug im Juli 2012 wurde das damals völlig herunter gekommene Anwesen für die Zwecke der Wilhelm-Leuschner-Stiftung umfassend saniert. In drei Bauabschnitten wurden zuerst die Außenanlagen und das Erdgeschoß für die Seminar- und Arbeitsräume sowie die Bibliothek des Archivs der Stiftung hergerichtet. Dieser erste Bauabschnitt wurde Anfang 2013 beendet und ermöglichte ein völlig neues Arbeitsumfeld für die seit 12 Jahren geleistete Stiftungsarbeit. In einem zweiten Schritt wurde die Dämmung des Hauses und die Dämmung des Untergeschoßes mit umfangreichen Erdarbeiten und Fassadenarbeiten zum Abschluss gebracht. Im Herbst 2013 war dieser Sanierungsabschnitt beendet. Seit Anfang 2014 wurde im dritten Sanierungsabschnitt das Untergeschoß des Zentrums vom Keller in einen Archivbereich umgewandelt. 

Die umfangreichen Arbeiten zur Beseitigung der Kellerfeuchte wurden mit neuen Böden, entsprechenden Außendämmungen und der Einrichtung der Räume Ende September 2014 zum Abschluss gebracht. Seit dem ist die auf über 200 qm angelegte Arbeit der Gedenkstättenpädagogik, der wissenschaftlichen Forschung und der Veröffentlichung des Nachlasses von Wilhelm Leuschner in vollem Gange. Das Archivgeschoß wird bis zum Sommer 2015 in einem vierten Abschnitt zu einem Archiv ausgestattet mit Ausstellungsräumen, die eine Veröffentlichung der Dokumente und Bilder des Leuschner-Nachlasses, die sich im Besitz der Stiftung befinden, hergerichtet.

 
Fördervereinsversammlung am 28.10.2014 PDF Drucken E-Mail

Die Jahreshauptversammlung des Fördervereins fand heuer im neu sanierten Wilhelm-Leuschner-Zentrum statt. Nach dem Bericht des Vorsitzenden Jürgen Jakob wurde die Finanzsituation besprochen. Satzungsgemäß wurden die Einnahmen und Spenden in Höhe von 4.500 Euro an die Wilhelm-Leuschner-Stiftung überwiesen, um die Projektarbeit für die Erinnerungsorte in Bayreuth zu unterstützen. Nach längerer Diskussion über die Sanierung und die Arbeit der Stiftung wurde die Versammlung mit einem Rundgang durch die zukünftigen Archivräume im Untergeschoß des Wilhelm-Leuschner-Zentrums beendet.

Im Anschluss an die Versammlung fand ein Vortrag von Wolfgang Hasibether statt, der sich mit dem ersten Projekt der Stiftung zur Veröffentlichung des Nachlasses von Wilhelm Leuschner befasste. Im Sommer wurde eine Ausstellung im ver.di Bildungszentrum Brannenburg eröffnet, mit Bildern und Tagebuchaufzeichnungen von Wilhelm Leuschner aus seinem Kriegseinsatz im 1. Weltkrieg. Dieses Projekt ist der Beginn der zukünftigen Archivarbeit, die in den Räumen des Wilhelm-Leuschner-Zentrums der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Bis zum Sommer 2015 soll der gesamte Nachlass im Untergeschoß des Zentrums eingelagert werden und für Veröffentlichungen vorbereitet werden. Ein digitales Projekt eines Internetportals zur Veröffentlichung des gesamten Nachlasses in Darmstadt und Bayreuth soll bis dahin abgeschlossen werden. Dieses Projekt, durch die Hans-Böckler-Stiftung finanziell gefördert, läuft seit Sommer 2013 und wird nach zwei Jahren abgeschlossen sein, ebenso wie die zur Zeit erarbeitete Biographie von Wilhelm Leuschner, die der wissenschaftliche Leiter der Stiftung bis zur Mitte nächsten Jahres veröffentlichen wird.

 
Gedenkveranstaltungen zum 70. Todestag von Wilhelm Leuschner PDF Drucken E-Mail

Neben der zentralen Gedenkveranstaltung an den 70. Todestag von Wilhelm Leuschner im Rahmen der 10. Bayreuther Gespräche der Wilhelm-Leuschner-Stiftung am 27.09.2014
fanden auch Gedenkveranstaltungen direkt am 70. Todestag, den 29. September 2014, in Darmstadt und Frankfurt in Hessen statt.

Das Hessische Staatsarchiv Darmstadt, mit dem die Stiftung seit 2013 in einem Archivprojekt eng zusammen arbeitet, veranstaltete am 29.09.14 ein wissenschaftliches Symposium zur Wirkung Leuschners in der heutigen Zeit. Unter dem Titel „Lebt wohl. Haltet zusammen. Baut alles wieder auf!“ setzten sich verschiedene Referent_innen mit dem Widerstand Leuschners, seinem Widerstandsnetz und mit der Biographie einiger seiner Mitstreiter auseinander.

Es wurde auch unter dem Gesichtspunkt der Archivwissenschaft die Quellenlage des Leuschner-Nachlasses und deren öffentliche Zugänglichmachung diskutiert. Nach den Grußworten von Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid und den Darmstädter Oberbürgermeister Jochen Partsch, wurde zuerst ein Einblick in die Quellen des Leuschner-Nachlasses von Dr. Klaus-Dieter Rack vom Hessischen Staatsarchiv und von Wolfgang Hasibether, Wilhelm-Leuschner-Stiftung Bayreuth, gegeben. Zurzeit wird der gesamte Nachlass digital erfasst und biographisch eingeordnet. Der erhaltene Nachlass besteht in Originalbeständen im Hessischen Staatsarchiv (HStAD) in Darmstadt und in Beständen im Nachlass der Wilhelm-Leuschner-Stiftung. Ein Projekt der Hans-Böckler-Stiftung fördert zurzeit die digitale Erschließung dieser Nachlassbestände, in dem wichtige historische Dokumente auch aus dem Netzwerk des Leuschner-Widerstandskreises verwahrt werden.

Im Anschluss gab Dr. Stephanie Zibell von der Universität Mainz eine Darstellung zur Verfolgung Leuschner durch die NSDAP. Dr. Axel Ulrich skizzierte anhand seiner Verö

In den Nachmittagsvorträgen, unter anderem von Prof. Siegfried Mielke und Dr. Peter Steinbach, wurde die zentrale Stellung Leuschners im gewerkschaftlichen Widerstand gegen das NS-Regime und seine Brückenfunktion zu allen anderen Widerstandskreisen insbesondere die zum Kreisauer Kreis behandelt. ffentlichung von 2012 die Widerstandstätigkeit Leuschners nach seiner Entlassung aus dem Konzentrationslager der Nazis von 1934 bis 1944 und stellte vor allem die reichsweite Verbreitung seines Widerstandsnetzes ohne den die Offiziere des 20. Juli 1944 ihren Staatsstreich nicht versucht hätten.

Die beiden engsten Mitstreiter Leuschners, Staatsrat Ludwig Schwamb und sein Pressereferent Carlo Mierendorf, wurden in Vorträgen von Dr. Ilka Rödel, Christina Stein und Dr. Peter Engels biographisch gewürdigt. Dabei spielte auch die Quellenlage aus deren Nachlässen eine wichtige Rolle.

Alle Vorträge dieser wissenschaftlichen Tagung hatten zum Ergebnis, dass das Widerstandsnetz Leuschners die weitesten Kreise des Arbeiterwiderstands gegen die Nationalsozialisten umfasste und in seiner Bedeutung für den Putsch gegen Hitler am 20. Juli 1944 nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Insbesondere auch die Überlegungen zu einer demokratischen Nachkriegsordnung an denen Leuschner zentral beteiligt war, zeigen das historische Erbe, das Leuschner mit der Idee der Einheitsgewerkschaft in einer demokratischen Nachkriegsordnung hinterlassen hat und unsere Verpflichtung dies zu bewahren und weiter zu entwickeln.

 
Gedenkfeier des DGB Landesbezirks Hessen-Thüringen im DGB-Haus Frankfurt/Main am 29. September 2014 PDF Drucken E-Mail

Anlässlich des 70. Todestages von Wilhelm Leuschner fand im DGB-Haus Frankfurt im Wilhelm-Leuschner-Saal eine Gedenkveranstaltung des DGB Hessen-Thüringen statt. Diese Gedenkveranstaltung wurde vom DGB Chor Frankfurt musikalisch umrahmt. Bei ihrer Eröffnungsrede betonte die Vorsitzende des DGB-Bezirks, Gabriele Kailing, das historische Vermächtnis Leuschners, nämlich die Idee der Einheitsgewerkschaft. Dieses Organisationsprinzip wurde aus dem Widerstandskampf Leuschners und seiner Mitstreiter, darunter der christliche Gewerkschafter Jakob Kaiser im zähen Kampf gegen das NS-Regime entwickelt. Die Idee der Einheitsgewerkschaft, so betonte die Vorsitzende, sei eine Weiterentwicklung aus dem Weimarer Organisationsprinzip der Richtungsgewerkschaften und führte im Gegensatz zu diesem alle christlichen, liberalen und sozialistischen Gewerkschaften der Weimarer Zeit im Nachkriegsdeutschland in eine Einheitsorganisation. Dieses Vermächtnis Leuschners wurde von Hans Böckler beim Gründungskongress des DGB im Oktober 1949 in die Tat umgesetzt. 18 Einzelgewerkschaften verbanden sich im Dachverband des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Ein ähnliches Organisationsprinzip verfolgte auch der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund in der DDR ab 1949, allerdings nicht in einer freiheitlichen Gesellschaftsordnung sondern als Treibriemen der Partei. Das formale Organisationsprinzip entsprach den Vorstellungen Leuschners und seiner Mitstreiter, insbesondere auch die Übernahme der Verwaltung der Sozialversicherung. Der DGB-Chor Frankfurt stellte in seiner musikalischen Darbietung viele Lieder vor, die zu Lebzeiten Leuschners Grundlage des Arbeiterlieds waren. Die beiden Referenten Wolfgang Hasibether von der Wilhelm-Leuschner-Stiftung und Dr. Axel Ulrich aus Wiesbaden, die beide intensiv seit Jahrzehnten das Leben und Wirken Leuschners erforschen, betonten in ihren Beiträgen das Ausmaß des Arbeiterwiderstands, der sich in dem Netzwerk Leuschners und seinen Vertrauensleuten im gesamten Reichsgebiet dokumentiert und in der Tatsache, dass der Arbeitwiderstand den höchsten Blutzoll im Kampf gegen das NS-Regime zu entrichten hatte. Viele tausende und abertausende von Menschen aus der Arbeiterbewegung, den Gewerkschaften, den beiden Arbeiterparteien und mit ihnen verbundenen kulturellen Organisationen leisteten von 1933 bis 1945 erbitterten Widerstand gegen das NS-Regime und hätten nach Gelingen des Putsches vom 20. Juli 1944 danach die Macht übernommen. Wie breit dieses Widerstandsnetz war, zeigt allein die Tatsache der sich 1945 nach der Befreiung vom Nationalsozialismus bildenden antifaschistischen Ortsausschüsse in allen Mittelstädten und Großstädten der besetzten Landesteile des ehemaligen deutschen Reiches. In der Bundesrepublik gelang es nach dem Fehlschlag die Teilung Deutschlands zu verhindern, eine neue Gewerkschaftsbewegung unter dem Dach des DGB aufzubauen. Die würdige Feier endete mit dem Solidaritätslied von Bert Brecht in der Darbietung des DGB Chors Frankfurt. Die nächste Gelegenheit an Leuschner festlich zu erinnern, wird im Jahr 2015 am 15. Juni gegeben sein, an diesem Tag wäre Wilhelm Leuschner 125 Jahre alt geworden.

 
„Zwischen Leid und Unbeugsamkeit“ 10. Bayreuther Gespräche 2014 PDF Drucken E-Mail

Zum zehnten Mal seit 2005 veranstaltete die Wilhelm-Leuschner-Stiftung am 27. September 2014 ein Symposium zum Widerstand gegen das NS-Regime in Europa während des 2. Weltkriegs in der Bayreuther Zamirhalle. In diesem Jahr gab die Tagung einen Einblick in die Erinnerungsarbeit in Italien und Deutschland. Mehr als einhundert Teilnehmende waren bei den drei Veranstaltungen der Bayreuther Gespräche aus dem Bundesgebiet und dem Ausland interessierte Gäste der Stiftung. Wie von Anbeginn an wurden die Gespräche auch heuer wieder gemeinsam mit der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit und mit Unterstützung der Stadt Bayreuth sowie dem Förderverein Leuschner-Zentrum durchgeführt. Hinzu kamen bei den diesjährigen Veranstaltungen die Kooperation mit Arbeit und Leben Bayern, dem DGB Oberfranken und dem Zamirchor.

Zentraler Ausgangspunkt war der siebzigste Todestag von Wilhelm Leuschner, der am 29. September 1944 in Berlin-Plötzensee von den NS-Schergen ermordet wurde. Diesmal war die Brücke zur Erinnerungsarbeit in Europa der gewerkschaftliche Widerstand in der italienischen Region um La Spezia und der angrenzenden Toskana und Leuschners Widerstandnetz gewerkschaftlicher Vertrauensleute im Jahr 1944 im Deutschen Nationalsozialismus.

Zugleich mit dem siebzigsten Todestag jährten sich auch die SS-Massaker in den Alpi Apuane zum siebzigsten Mal. Im Frühjahr und Sommer 1944 wurden von den SS-Soldaten in den Bergen in der Nähe von La Spezia zivile Geiseln massenhaft ermordet. Über diese Ereignisse berichteten die Vertreter von italienischen Opferverbänden in La Spezia (Ligurien) und Fivizzano (Toskana) über den Aufstand der Arbeiterschaft gegen das NS-Besatzungsregime und die italienischen faschistischen Behörden der ‚Republica Sociale Italiano’ Benito Mussolinis und stellten dabei die heutigen Gedenkorte in der Umgebung von La Spezia vor.

Bei der Begrüßung durch Hans-Otto Hemmer, den Vorsitzenden des Stiftungsrats, wies dieser auf die langjährige Tradition der Bayreuther Gespräche hin und auf den diesjährigen Anlass zum Andenken an den Todestag Leuschners hin. Er betonte, dass die Bayreuther Gespräche ganz im Zeichen des europäischen, insbesondere des italienischen, Freiheitskampfes gegen Faschismus und Nationalsozialismus stehen. Daraus ergeben sich spezifische Konsequenzen und Lehren für unsere Gegenwart wie wir sie auch dem Vermächtnis Leuschners entnehmen können. Er wies weiter darauf hin, dass die WLS es sich weiterhin zur Aufgabe mache, dieses große und ehrenvolle Erbe Leuschners zu bewahren und für Gegenwart und Zukunft zugänglich und nutzbar zu halten.

Der zweite Bürgermeister der Stadt Bayreuth, Thomas Ebersberger, begrüßte die versammelten Gäste der Veranstaltung im Namen der Schirmherrin, Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe, und wies auf die Verdienste der Leuschner-Stiftung für die Vertiefung der Partnerschaft zwischen Bayreuth uns La Spezia hin. Er betonte, die Verpflichtung der Stadt Bayreuth, dass Erbe Leuschner gemeinsam mit der Stiftung wach zu halten.

Die Rede zum Vermächtnis Leuschners hielt, anstelle des kurzfristig erkrankten DGB-Vorsitzenden Reiner Hoffmann, der bayerische DGB-Bezirksvorsitzende Matthias Jena. In seiner Rede über Leuschners Wirkung für die deutsche Gewerkschaftsbewegung und die Grundlagen für ein soziales Europa wurde vor allem das Vermächtnis der Einheitsgewerkschaft als bleibendes Erbe des gewerkschaftlichen Widerstands herausgestellt.

Neben dem gewerkschaftlichen Widerstand des Netzwerks Leuschners behandelten die drei italienischen Referent_innen die Verfolgung und den Widerstand um La Spezia und der angrenzenden Alpi Apuane im Sommer 1944 sowie den gewerkschaftlich organisierten Widerstand der italienischen Arbeiterschaft in der Region. Der Vertreter des historischen Instituts des Widerstands von La Spezia, Fabrizio Dellepiane, skizzierte in seiner Rede den Widerstand der Gewerkschaften in der Umgebung und der Stadt La Spezia im März 1944. In der ersten Märzwoche fanden in den Regionen Piemont, Ligurien und der Lombardei Generalstreiks statt. Acht Tage lang wurden die großen Industriestandort Mailand, Genua und Turin lahm gelegt, dann breitete sich der Streik auf andere Regionen aus: Emilia Romagna, Venetto und Toskana. Zwei Millionen Arbeiter_innen nahmen an der Bewegung teil, die von großen Demonstrationen von Bauern und Landfrauen in den ländlichen Gebieten unterstützt wurden, vor allem in der Emilia Romagna. Die Forderung der Arbeitschaft bestand in dem Versuch die repressiven Maßnahmen der faschistischen italienischen Polizei und der deutschen SS zu beseitigen. Sie forderten Lohnerhöhungen, wandten sich gegen die Kriegswirtschaft und kämpften ausreichende Nahrung. Die großen Industriellen Verweigerten die Verhandlungen mit den Arbeitern, sie solidarisierten sich mit der deutschen Besatzung und gaben dieser oftmals sogar die Liste der Streikenden. Weiterhin ging der Referent auf die Streikmaßnahmen in La Spezia ein, bei dem tagelang die Kriegsindustrie in der Stadt lahm gelegt wurde. In La Spezia beteiligten sich mehr als 10.000 Arbeiter_innen an den Streikmaßnahmen.

Im Anschluss an das Referat von Fabrizio Dellepiane stellte die Vorsitzende der Vereinigung der Angehörigen der Opfer, Doriana Ferrato, die Maßnahmen der deutschen Besatzung gegen die Zivilbevölkerung in La Spezia dar. Ihr Vortrag befasste sich mit den Deportationen durch die SS im Zeitraum von 1943 bis 1945. Allein aus La Spezia wurden 585 Menschen in die Konzentrationslager der Nationalsozialisten verschleppt, davon kehrten 235 nicht mehr zurück und starben in den Lagern. Die Verschleppung erfolgte zuerst in ein Konzentrationslager in Bozen und anschließend in Lager in Oberösterreich (Mauthausen) und auch nach Dachau, Flossenbürg und anderen berüchtigten Lagerorten.

Der Journalist Roberto Oligeri befasste sich in seinem Vortrag mit den besonders grausamen Vergeltungsaktionen der SS in den Alpi Apuane im Sommer 1944, bei denen die SS-Truppen als angebliche Vergeltungsaktionen für Partisanenangriffe auf deutsche Truppen jeweils für einen gefallenen deutschen Soldaten zehn zivile Geiseln erschießen ließen. Er schilderte insbesondere auch die Ermordung seiner Geschwister in dem Dorf San Terrenzo Monti und befasste sich mit der Aufarbeitung dieser Gräueltaten der SS in der Nachkriegszeit. Die drei Schilderungen der italienischen Referent_innen belegten eindrucksvoll wie tief die Wunden der Verbrechen der deutschen Besatzung bis heute nachwirken und verdeutlichen zugleich die beeindruckenden Gesten der Verständigung durch unsere europäischen Nachbarn.

In der anschließenden Diskussion wurde die Verarbeitung des NS-Terrors im heutigen Italien und in Deutschland mit den italienischen Referent_innen behandelt. Unter der Moderation von Beate Michl von der Bayerischen Landeszentrale für Bildungsarbeit entspann sich ein interessanter Diskurs über die Erinnerungsarbeit und die gesellschaftliche Aufarbeitung der historischen Ereignisse in Deutschland und Italien.

Die Bayreuther Gespräche waren der Auftakt für ein Jugendprojekt der WLS, das durch das Gedenkstättenprogramm des Bundes und des Landes Bayern ab 2015 finanziert werden und Schulklassen aus Italien und Deutschland zur gemeinsamen Erinnerungsarbeit zusammen führen soll.

Es ist geplant, die Erinnerungsorte in La Spezia, wo an die Opfer der Massaker und der Deportierten in deutsche Konzentrationslager gedacht wird und Erinnerungsorte in der Region Oberfranken aus der NS-Zeit in einem Projekt zu dokumentieren und für den Schüleraustausch lebendig werden zu lassen. Materialien in deutsch und italienisch zu den einzelnen Stationen des Gedenkens in Italien und Deutschland sollen für zukünftige Austauschprogramme erarbeitet werden. Hierzu werden die seit 2010 zwischen der WLS und den Vertretern der Stadt La Spezia und andere Orte in der Region entstandenen Kontakte weiter vertieft und der gegenseitige Austausch von Gruppen ausgeweitet werden.

Im Anschluss an die vierstündige Nachmittagsveranstaltung fand ein Empfang der Stadt Bayreuth für die Gäste der Bayreuther Gespräche statt, dem sich ein einstündiges Konzert des Zamirchors Bayreuth anschloss. Die Benefizveranstaltung zugunsten der Gedenkstättenarbeit der WLS stellte in den Mittelpunkt der vorgetragenen Lieder eine Komposition des jüdischen Komponisten Peter Noa, der 1909 in Nürnberg geboren wurde und von den Nationalsozialisten verfolgt wurde. Das Lied, das der Zamirchor vortrug, trug den Titel „Frieden, Freiheit, Arbeit und Brot“ und war damit eine treffende Erinnerung an den Widerstandskampf Wilhelm Leuschners.

 

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Ausstellung im ver.di Bildungszentrum Brannenburg PDF Drucken E-Mail

Wilhelm Leuschner im Ersten Weltkrieg - Eröffnung am Antikriegstag 1. September 2014

Am Montag, 1. September 2014 wurde im ver.di-Bildungszentrum Brannenburg die Ausstellung mit Bildern von Wilhelm Leuschner aus dem Ersten Weltkrieg mit zahlreichen interessierten Seminarteilnehmern eröffnet. Hundert Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs und 75 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde im gewerkschaftlichen Bildungszentrum Brannenburg an den Schrecken der Kriege erinnert und ein Zeichen für den Einsatz für eine friedliche Zukunft in Europa  gesetzt. Die Kriegserfahrungen Leuschners, dem ‚Vater der Einheitsgewerkschaft‘, wurden so genutzt gegen Krieg und Völkermord einzutreten und in der Bildungsarbeit für ein friedliches Zusammenleben der Völker Europas und in der Welt einzutreten.

Die Bilder aus dem Leuschner-Nachlass im Archiv der Stiftung werden zurzeit in einem Archivprojekt der Wilhelm-Leuschner-Stiftung, gefördert durch die Hans-Böckler-Stiftung, biographisch eingeordnet und digital für ein Internetportal aufbereitet.
Daneben werden Archivalien aus dem Nachlass sowohl im Leuschner-Zentrum Bayreuth wie an anderen Orten thematisch aufbereitet und in Ausstellungen der Öffentlichkeit vorgestellt. Es ist der Anspruch der Stiftung das digitale und das originale Leuschner-Archiv auch in traditioneller Form zu veröffentlichen und in der Bildungsarbeit zu präsentieren. Dazu dient auch die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit dem Hessischen Staatsarchiv Darmstadt, mit dem die Stiftung u.a. einen Gedenkort an Leuschner und seine Mitstreiter im Widerstand gegen das Nazi-Regime bis Sommer 2015 im Kollegienhaus Darmstadt einrichtet.
Für die Ausstellung in Brannenburg wurden auf 12 DIN A 1-Schautafeln rund 50 Exponate aus den Weltkriegsbildern im Bayreuther Archiv ausgewählt und mit kommentierenden Texten und einem Begleitmaterial versehen. Sie sind bis Februar 2015 im Bildungszentrum für die Seminarteilnehmenden zu sehen und vermitteln einen Eindruck der Sichtweise Leuschners im Blick auf seine Kriegserfahrungen im Ersten Weltkrieg. Bilder von der Ostfront in Pinsk in Weißrussland 1917 und von der Westfront in Frankreich vor Verdun vermitteln Eindrücke vom subjektiven Empfinden des Kriegsgeschehens des zukünftigen Gewerkschaftsführers und Widerstands-kämpfers Leuschner, die sein Leben wesentlich geprägt haben.
Mit Hilfe der im Archiv in Darmstadt verwahrten Kriegsnotizen wird dieser Abschnitt seiner Biographie, der eine Zäsur seines bisherigen Lebens darstellte, für den Betrachter zugänglich.
In der Ausstellungseröffnung skizzierte der wissenschaftliche Leiter der Leuschner-Stiftung, Wolfgang Hasibether, seine Kriegseindrücke und verglich sie mit dem distanzierten Verhalten eines teilnehmenden Beobachters, wie etwa eines Kriegsreporters, der in Bild und Wort Gräuel des Krieges wahrnimmt um aus der Distanz und nüchterner Schilderung des Geschehens diese Schreckensbilder ertragen zu können. Im Anschluss an die Erläuterung der Bildtafeln wurde eine Einführung in Bilder des Krieges von Otto Dix und Max Beckmann durch die Kunsthistorikerin Ursula Leibinger-Hasibether gegeben, die Zeichnung von Dix und Beckmann in Beziehung zu Leuschners Kriegserfahrungen stellte. Allen drei sei gemeinsam, dass sie als Zeugen des Grauens, mit dem Mittel der Distanz und des Festhaltens in Wort und Bild, dieses zu ertragen suchten. Die Ausstellung wird von Seminarbesucher_innen aus ganz Deutschland bei den Kursen im Bildungszentrum zugänglich und in der Bildungsarbeit des nächsten halben Jahres eingesetzt.

Hier finden Sie den Begleittext zur Ausstellung!

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Wilhelm Leuschner und der 20. Juli 1944 PDF Drucken E-Mail

Aus Anlass des 70. Jahrestages des Putschversuches vom 20. Juli 1944 fand im DGB Haus Stuttgart am 16. Juli eine Veranstaltung zur Bedeutung Leuschners für die Putschpläne der Militärs um Graf Stauffenberg statt. Die Tradition der Gedenktage am 20. Juli in den vergangenen Jahrzehnten fokussierte stets die Bedeutung der Militärs bei diesem Attentat auf Adolf Hitler, das die gesamte Führungsspitze des NS-Regimes beseitigen sollte. Der militärische Widerstandskreis um Stauffenberg, der seit 1942 im engen Kontakt mit Wilhelm Leuschner bei der Entwicklung der Putschpläne stand, wurde bei diesen Gedenkveranstaltungen in den historischen Mittelpunkt gestellt.

Die Rolle des gewerkschaftlichen Widerstand und des Widerstands der deutschen Arbeitbewegung gegen das NS-Regime spielte dabei bis heute keine tragende Rolle. Durch die Forschungen der letzten Jahrzehnte ist jedoch festzuhalten, dass die Militärs ihren Staatsstreich niemals versucht hätten, hätte es nicht das zivile Widerstandsnetz, dessen zentraler Mittelpunkt Wilhelm Leuschner war, gegeben. Ohne dieses Netz der gewerkschaftlichen Vertrauensleute, das Wilhelm Leuschner seit 1934 in verschiedenen Etappen immer wieder neu aufbauen musste, und das im Sommer 1944 im Untergrund bereit stand, nach dem erfolgreichen Putsch, die Macht zu übernehmen, hätten die Militärs diesen Staatsstreich niemals durchführen können.

 
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Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg

Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit
 
 
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