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4. BAYREUTHER GESPRÄCHE IM LEUSCHNER-GEBURTSHAUS AM 29.9.2008

Die ‚Bayreuther Gespräche’ der Wilhelm-Leuschner-Stiftung  im Leuschner-Geburtshaus, Moritzhöfen 25, standen heuer unter dem Motto „Das Erbe des europäischen Widerstands gegen die NS-Diktatur und die Bedeutung im europäischen Einigungsprozess’. Unter der Schirmherrschaft von Landrat Hermann Hübner wurde in einem wissenschaftlichen Symposion mit deutschen und tschechischen Referenten die Dimension dieses Erbes diskutiert.

Nach der Begrüßung durch den stellvertretenden Stiftungsratsvorsitzenden Dr. Stefan Specht, der an Leuschners Vermächtnis ‚Schafft die Einheit’ erinnerte, eröffnete der Bayreuther Landrat die Veranstaltungen. Er wies auf die aktuellen Ereignisse der Provokation der NPD im Fichtelgebirge hin und betonte die Notwendigkeit sich mit dem Widerstand Leuschners und seiner Mitstreiter zu beschäftigen. Besonders hob er die Jugendarbeit der Stiftung hervor, die einen Gegenpol der demokratischen Erziehung gegen die ‚Ewiggestrigen’ darstelle.

Im anschließenden Symposion sprach der Publizist Dr. Axel Ulrich aus Wiesbaden, ein ausgewiesener Experte des Widerstands der Arbeiterbewegung gegen das NS-Regime, über das reichsweite Netz des Widerstands das Wilhelm Leuschner von 1938 bis 1944 in Deutschen Reich und in den besetzten Ostgebieten während des Krieges geknüpft hatte. Dessen zahlenmäßige Bedeutung für den zivilen Widerstand wird nach seiner Auffassung von der Mehrzahl der Historiker völlig unterschätzt. Er wies auf die Bedeutung der Leuschner-Stiftung für die historische Aufarbeitung dieses Erbes hin und forderte die Verantwortlichen in Stadt, Land und Bund sich endlich zu einer angemessenen finanziellen Förderung dieser Arbeit durchzuringen.

 

   Landrat Hermann Hübner  Dr. Axel Ulrich  Dietrich Lorenz
 Dr. Stefan Specht

Hermann Hübner
(Landrat)
Dr. Axel Ulrich
(Publizist)
Dietrich Lorenz
(Komponist)

 

Der Privatdozent an der Mainzer Universität, Dr. Reiner Tosstorff erhellte anhand der Ereignisse in Genf im Frühjahr 1933 die Rolle Wilhelm Leuschners im europäischen Widerstand. Seine zahlreichen Auslandsverbindungen über die internationale Arbeiterbewegung waren für den Aufbau des Widerstandsnetzes von entscheidender Bedeutung.

Der Historiker Tomas Okurka aus Usti nad Labem (Aussig in Nordböhmen) in Tschechien, der dort eine Ausstellung zum Widerstand deutscher Einwohner in Nordböhmen erarbeitet hat, betonte die Notwendigkeit diesen Widerstand in das heutige Bewusstsein zu rücken. Dieser deutsche Widerstand war nach 1945 in der Tschechoslowakei nahezu verdrängt. Auch die deutschen NS-Gegner wurden 1945/46 in so genannten ‚antifaschistischen Transporten’ ausgesiedelt. Erst seit zwei Jahren wird von der tschechischen Regierung ein Projekt finanziert, dessen Ergebnisse in einer Ausstellung zusammengefasst wurden. Diese Ausstellung ‚Vergessene Helden – Deutsche Antifaschisten in den Böhmischen Ländern’ wird im Oktober in Berlin und anschließend auch in München gezeigt.

In der anschließenden Diskussion wurde auf die Notwendigkeit dieses grenzüberschreitenden Austausches von historischer Forschung und deren Weitergabe an die junge Generation diskutiert. Die Vorsitzende der mitveranstaltenden Deutsch-Tschechischen Gesellschaft Bayreuth, Kristina Jurosz, wies darauf hin, dass die Stadt Bayreuth im November 2008 mit einer Gebietsregion in Prag eine Städtepartnerschaft abschliessen. Herbert Schmid vom Kooperationspartner ‚Arbeit und Leben Bayern’, verwies auf die Jugendarbeit seiner Organisation, die am 26. Oktober 2008 in Regensburg ein Treffen von deutschen Jugendlichen mit tschechischen Zwangsarbeitern veranstaltet. Alles Meilensteine auf dem Wege im Sinne der Impulse der Bayreuther Gespräche den europäischen Einigungsprozess aus dem Erbe des Widerstands zu befruchten, wie der Stiftungsvorstand Wolfgang Hasibether zum Abschluss des Symposions zusammenfasste.

Am Abend wurde dann von dem Münchner Komponisten, Dietrich Lorenz, ein Gesprächskonzert unter dem Titel ‚Widerstand in der Sprache der Musik’ gegeben. Anhand der Werke von Beethoven, Chopin und einiger Jazzmusiker, allen voran Scott Joplin, erläuterte die Funktion der Musik sowohl für die Mächtigen wie auch für die im Widerstand gegen Machmissbrauch aktiven Menschen.

Eine weitere Vorstellung dieser Vermittlung von Musik wird als Veranstaltung der Wilhelm-Leuschner-Stiftung im Steingraeber Haus Bayreuth zum 70. Jahrestag der so genannten ‚Kristallnacht’ der Nazis am 10. November 2008 zu erleben sein.

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