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17 | 12 | 2018
Eröffnung des Wilhelm-Leuschner-Zentrums Bayreuth zum 125. Geburtstag von Wilhelm Leuschner Drucken E-Mail

 

 Der 125. Geburtstag Wilhelm Leuschners am 15. Juni 2015 war für die Wilhelm-Leuschner-Stiftung der Anlass, an den Kämpfer für Demokratie und soziale Gerechtigkeit zu erinnern und dies mit der offiziellen Eröffnung des Wilhelm-Leuschner-Zentrums Bayreuth zu verbinden. Im vollbesetzten Zentrum würdigten die Landtagsvizepräsidentin Ulrike Gote, die Bayreuther Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe und der Geschäftsführer des DGB Oberfranken, Mathias Eckardt, in ihren Grußworten die Verdienste Leuschners im Kampf für Freiheit und Menschenrechte gegen das NS-Regime. Vizepräsidentin Ulrike Gote hob vor allem das Erbe Leuschners für den Kampf gegen den heutigen Rechtsextremismus hervor und bezeichnete das Zentrum als wichtigen Meilenstein für die Bildungsarbeit in der heutigen Zeit gerade in Oberfranken, die insbesondere die Themen Migration, Toleranz und Demokratie zum Inhalt haben muss. Die Bayreuther Oberbürgermeisterin Merk-Erbe verwies auf die Notwendigkeit, das Erbe Leuschners wach zu halten und betonte die Zusammenarbeit zwischen Leuschner-Stiftung und Stadt Bayreuth, die sich in den letzten Jahrzehnten positiv entwickelt habe. Mathias Eckardt vom DGB Oberfranken betonte das notwendige Erinnern an das Vermächtnis Leuschners, der die Einheitsgewerkschaft begründete und die Einheit der Demokraten forderte.

 

Die Veranstaltung wurde musikalisch begleitet durch die Musiker Peter Heidler aus Hof, Herbert Schmid aus Weiden und die Gruppe „Rote Socken“ aus Waldsassen. Sie spielten Lieder der Arbeiterbewegung aus zwei Jahrhunderten. Damit wollten die Veranstalter auf die Biographie Leuschners verweisen, der als Arbeitersänger das Kulturgut der Arbeiterbewegung seiner Zeit pflegte. In einer Rede über Leuschners Lebensleistung betonte der wissenschaftliche Leiter der Stiftung Wolfgang Hasibether die verschiedenen Lebensepochen Leuschners als Gewerkschafter und Politiker ( hier die Rede zum Download ). Aufgrund aktueller Pressemeldungen der Lokalzeitung hielt er allerdings nicht die ursprünglich geplante Rede, sondern stellte in den Mittelpunkt der Ausführungen die Fragen, die ihm der Reporter in einem Interview zu Wilhelm Leuschner gestellt hatte und die, in dem am 15. Juni 2015 erschienenen Artikel nicht enthalten waren. Die drei Fragen lauteten: 1. Welche Bedeutung hat Wilhelm Leuschner für die Nation und für Europa? 2. Welche Bedeutung hat Leuschner für die Stadt Bayreuth? 3. Welchen Wunsch hat die Stiftung für die Zukunft? In seinen Ausführungen stellte der wissenschaftliche Leiter klar, dass Wilhelm Leuschner in der Weimarer Republik ein international bedeutender Politiker der deutschen Arbeiterbewegung war. Dies begründet sich zum einen aus seinem Engagement für die Völkerversöhnung nach dem 1. Weltkrieg, das in seinem Einsatz im Ruhrkampf der 1920 Jahre zum Ausdruck kam. Der Aufbau der Gewerkschaften nach dem Niedergang durch den 1. Weltkrieg wurde von ihm im Rhein-Main-Gebiet vorangetrieben. Sein Einsatz für die Entwicklung des Gemeinwesens zeigte er ab 1928 als hessischer Innenminister durch seine Pläne zur Neuordnung des Reichsgebietes, in seinen vielfältigen Initiativen zur Wirtschaft- und Verkehrsinfrastruktur des Landes Hessens und sein unermüdlicher Einsatz für Kultur und Bildung. Er entwickelte Pläne für eine Reichsautobahn von Hamburg nach Basel und einen Flughafen in der Nähe von Darmstadt mit internationalen Zeppelinverbindungen nach Übersee. Diese Pläne wurden durch die Machtübertragung an die Nazis Anfang 1933 jäh beendet. Hervorzuheben ist natürlich auch sein Kampf gegen die aufstrebende Nazibewegung. Seine Veröffentlichung der Putschpläne der Nazis in den sogenannten ‚Boxheimer Dokumenten’ Ende 1931 hätten der Weimarer Republik durch die Anklage Hitlers als Hochverräter eine völlig andere politische Wendung gegeben. Als Gewerkschafter und Politiker war Förderer der Künste. Dies war ihm vom Beginn seiner Holzbildhauerausbildung an ein Anliegen. Sein Einsatz für die Bildung der Jugend und der gesamten Arbeiterschaft kennzeichneten ihn als Sozialdemokraten, der die Entwicklung von Freiheit und Demokratie insbesondere aus den Idealen der französischen Revolution herleitete und die Volksbildung als Grundlage für die Emanzipation und die gesellschaftliche Teilhabe der lohnabhängigen Schichten ansah. Der Leitsatz „aus der politischen Demokratie muss die soziale Demokratie werden!“ bestimmte sein gesamtes politisches Handeln. Dies war auch der tiefere Grund, warum er in der aufkommenden Nazibewegung eine Bedrohung der Freiheitsrechte und Menschenwürde sah und sie deshalb schon in der Weimarer Republik bedingungslos bekämpfte. Diese Ideale Leuschners für die Begründung des modernen Sozialstaates und sein Eintreten für die Einheitsgewerkschaft, die sein bleibendes historisches Vermächtnis ist, ist andauernder Bestandteil unseres nationalen Erbes des Widerstandes gegen die Nazibarbarei. Wilhelm Leuschner ist mit seinem politischen Handeln einer der ideellen Gründungsväter unserer freiheitlichen Demokratie, die zur Grundlage unseres Grundgesetztes gehört. Sein Eintreten für den europäischen Gedanken noch in Zeiten der Völkerfeindschaft zwischen Deutschen und Franzosen macht ihn zur Symbolfigur für ein geeintes Europa. Mit seinen Vorstellungen von Freiheitsrechten und sozialer Gerechtigkeit in demokratischen Staaten ist die Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben der Völker in Europa und der Welt. Diese nationale und internationale Bedeutung Leuschners wurde leider in den letzten eineinhalb Jahrzehnten bei Zuschussanträgen der Stiftung an den Bund immer wieder verkannt. Die Arbeit in Bayreuth für die Leuschner-Gedenkstätte wurde als „nicht von nationaler Bedeutung“ klassifiziert. Hier wird die Stiftung zur Sicherung der zukünftigen Arbeit weiterhin alle Anstrengungen unternehmen einen Bewusstseinswandel bei den parlamentarischen Gremien in Berlin zu erreichen. Zur zweiten Frage über die Bedeutung Leuschners für Bayreuth, wies der Stiftungsvorstand die Aussage im Nordbayerischen Kurier „Leuschner kommt in Bayreuth nicht vor“ entschieden zurück. Er erinnerte an die Tatsache, dass der DGB Bayreuth und die Stadt Bayreuth bereits zum hundertsten Geburtstag Leuschners im Jahr 1990 eine gemeinsame Veranstaltung zu dessen Ehren im Rathaus der Stadt durchführte und dabei die Grundlage zwischen dem DGB und dem damaligen Oberbürgermeister Dr. Mronz gelegt wurde, in Leuschners Geburtshaus eine dauerhafte Erinnerung zu konstituieren. Die Idee der Gedenkstätte ward damals geboren. In dem vergangenen Vierteljahrhundert wurde das Erbe Leuschners in Bayreuth immer stärker deutlich gemacht. Nicht zuletzt die Errichtung der Leuschner-Stiftung im Jahr 2002 und die Eröffnung der Gedenkstätte 2003 in seinem Geburtshaus waren ein Meilenstein, das Andenken Leuschners in der Stadt zu verankern. Seit dem haben viele tausende Bayreuther Bürgerinnen und Bürger die Gedenkstätte besucht und aus dem Umfeld der Leuschner Familie wurden immer wieder Gegenstände aus dem Besitz Leuschners der Stiftung für den Nachlass übereignet. Der Versuch, die Gedenkstätte, die im Geburtshaus bislang von der Stadt angemietet ist, auf Dauer in öffentlichen Besitz zu bekommen, wird weiter verfolgt. Die Bayreuther Oberbürgermeisterin Merk-Erbe hat schon vor zwei Jahren deutlich gemacht, dass die Stadt gemeinsam mit dem DGB das Geburtshaus erwerben möchte. Neben den geschilderten Bemühungen, das Andenken Leuschners in der Stadt weiter bekannt zu machen, sind auch biographische Fakten nicht zu übersehen. Wilhelm Leuschner hat seit seiner Geburt 1890 zwei Jahrzehnte seit seiner Geburt in Bayreuth verbracht. Dort besuchte er die Schule, absolvierte seine kunsthandwerkliche Ausbildung und trat in die Gewerkschaft ein. Diesen Umstand verdankt er seinem familiären Hintergrund, und dem Vorbild seines gewerkschaftlich organisierten Vaters, der ihm auch die Vorliebe für Kunst und Musik weitergab. Zeit seines Lebens hat er die Verbindung nach Bayreuth gehalten. Besonders in der Zeit seines Widerstands gegen das Naziregime, den er von Berlin aus organisierte, schaffte er Verbindungen seines Netzwerkes zu gewerkschaftlichen Vertrauensleute in Bayreuth und Oberfranken. Aus den Gestapo-Akten ist sein Kontakt zu Matthäus Herrmann aus Warmensteinach überliefert. Mit Bayreuther Widerstandskämpfern wie z.B. Friedrich Puchta knüpfte er in den frühen Jahren des Naziwiderstandes ebenso Kontakte, wie zu Gewerkschaftskollegen in Mittelfranken, darunter insbesondere Josef Simon. Diese Aktivitäten Leuschners in Bayreuth und Oberfranken waren zahlreich und zeigen, die Bedeutung seiner Persönlichkeit für die Stadt- und Regionalgeschichte. Dass Leuschner in der Außendarstellung der Stadt noch mehr Gewicht bekommen sollte, versteht sich von selbst. Die dritte Frage nach dem Wunsch der Stiftung für die Zukunft lässt sich leicht beantworten: Wir hoffen endlich auf ausreichende Zuschüsse von Bund, Land und Kommune, damit das demokratische Vermächtnis Leuschners auch an zukünftige Generationen weiter gegeben werden kann. Im neu eröffneten Wilhelm-Leuschner-Zentrum wird für die Öffentlichkeit mit dem Nachlass Leuschners in einer Archivausstellung bekannt gemacht und die Projekttage für schulische und außerschulische Gruppen finden dort nach dem Besuch der Gedenkstätte statt. Das Zentrum ist damit neben dem historischen Ort des Geburtshauses die Bildungsstätte der Gedenkstättenarbeit. Stadt Bayreuth und Stiftung pflegen damit auf Dauer das Vermächtnis Leuschners. 16.5.2015 Wolfgang Hasibether Wilhelm-Leuschner-Stiftung Bayreuth

 

  

 

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