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BERICHT ZUR VERANSTALTUNG „HEUTE GEDENKEN“ AM 14. UND 15. JUNI

Anlässlich des Geburtstags Wilhelm Leuschners am 15. Juni veranstalteten das IWALEWA-Haus und die Wilhelm-Leuschner-Stiftung die zweitägige Konferenz und Zusammenkunft „Heute.Gedenken.“. Die Veranstaltung wurde gefördert mit Mitteln aus dem Bundesprogramm „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ und diente der Vernetzung und dem Austausch von Multiplikatoren und Multiplikatorinnen, die im Fördergebiet im Bereich der Erinnerungsarbeit tätig sind.
Am Freitag, 14. Juni fand der Auftakt der Veranstaltung im Wilhelm-Leuschner-Zentrum statt. Ab 15 Uhr fanden sich die Referenten und Gäste im Zentrum ein, das Programm begann um 15.30 Uhr. Nach der Begrüßung durch Katharina Fink (IWALEWA-Haus) und Silvia Herrmann (Wilhelm-Leuschner-Stiftung) sowie einer kurzen Hinführung zum Thema folgten die ersten beiden Vorträge unter dem Rahmenthema „Worte und Taten“.

Felix Gothart von der Israelitischen Kultusgemeinde Bayreuth stellte die aktuellen Projekte der Gemeinde in Bayreuth vor: Die digitale Erfassung der über 950 Grabsteine des Jüdischen Friedhofs Bayreuth, der Bau der Mikwe neben der Synagoge in der Münzgasse sowie die bevorstehende Einrichtung eines jüdischen Kulturzentrums mit Museum und koscherem Café.
Die anschließende Diskussion drehte sich um die Frage nach angemessenen Formen des Gedenkens heute und leitete über zum nächsten Vortrag von Martin Jonas vom Fraunhofer Theater München. Der Volkskundler, der bereits ein Ausstellungsprojekt an der KZ-Gedenkstätte Dachau betreute, berichtete u. a. über die shintoistische Praxis in Japan, bestimmte Schreine im Turnus von 20 Jahren komplett abzureißen und detailgetreu wieder aufzubauen, wobei das Alter des Schreins ungerührt dessen mit über tausend Jahren angegeben wird. Damit wurde eine spannende Diskussion um die Bedeutung von Authentizität im Bereich der Erinnerungskultur angestoßen.
Nach einer gemütlichen Pause mit Snacks von Sagy Cohen und Wein gesponsert von der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bayreuth folgte am Abend die Lesung des jungen Autors Kolja Mensing, der in seinem Roman „Die Legenden der Väter“ der Geschichte seines polnischen Großvaters während und nach dem Zweiten Weltkrieg nachspürt. Auch hier schloss sich eine Diskussion mit dem Publikum an.
Am Samstag, 15. Juni begann der zweite Teil der Veranstaltung um 10 Uhr in der Schokofabrik in St. Georgen. Der Morgen stand unter dem Rahmenthema „Medien.Generation: Erinnern und Imaginieren“. Zunächst sprach Silvia Herrmann über Erinnerung und Imagination in Film und Literatur der Gegenwart und darüber welche Bedeutung diesen beiden Medien in der aktuellen Erinnerungskultur zukommt. In der darauf folgenden Diskussion wurde deutlich, dass gerade in der Vermittlungsarbeit mit Medien noch Wege gesucht werden, um die vergangenen Ereignisse adäquat zu transportieren.
Auch der folgende Vortrag beschäftigte sich mit der Vermittlung der Vergangenheit. Kerstin Schröder von der Evangelischen Jugend und Organisatorin des jährlichen internationalen Jugendtreffens an der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, erläuterte in ihrem Vortrag die Elemente des Jugendtreffens, wie etwa Zeitzeugengespräche und Kreativworkshops, und ging dann darauf ein, wie zukünftige Jugendarbeit im Hinblick auf Gedenken aussehen wird.
Nach einer gemeinsamen Mittagspause mit Führung durch eine Miniausstellung des KinderKunstClubs am IWALEWA-Haus zum Thema „Mein Stück Bayreuth“, stand der Nachmittag unter dem Thema „Stadt.Geschichte.Plural.“.
Michael Weiser vom Nordbayerischen Kurier eröffnete mit einem Vortrag zur Bedeutung von Straßennamen allgemein und historisch belasteten Straßennamen in Bayreuth im Speziellen. Diese besonders sichtbare und immer wieder umkämpfte Form der Erinnerung sorgte in der Schokofabrik ebenfalls für Diskussionsstoff. Ein weitaus weniger präsentes Kapitel Bayreuther Stadtgeschichte beleuchtete Katharina Fink in ihrem anschließenden Vortrag zur Erinnerung an die farbige Hofdame Markgräfin Wilhelmines, Alzire, und den südafrikanisch-deutschen Schriftsteller und Schauspieler Bloke Modisane. Den Abschluss der nachmittäglichen Vorträge bildete ein Gespräch mit Florian Zinnecker vom Nordbayerischen Kurier über die Rolle des lokalen Kulturjournalismus, denn gerade dieses Medium ist richtungweisend im lokalen Diskurs auch über Erinnerungskultur.
Am Abend war schließlich noch der Bayreuther Stadtschreiber Volker Strübing zu Gast bei „Heute.Gedenken.“, und die gelungene Veranstaltung endete mit einem Abendessen und gemütlichen Beisammensein vor der Schokofabrik. 

 

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